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"Sag' mal, was schaust Du denn so?"
Die junge Frau in schwarzem Samt, Tüll und Netz legt den Kopf schräg. Sie ist wohl kaum älter als 25, nur wenig größer als 150cm und dazu ziemlich schlank, fast schon dürr. Vermutlich würde sie sich - in anderer als ihrer schwarzen Gothic-Kleidung - ziemlich gut in eine Reportage über Armut im Sudan machen, denn einerseits ist sie nicht hässlich, mit den großen Augen, den trotz ihres Schlankseins eher weichen Zügen und dem schmalen Körperbau, der die wenigen weichen Rundungen, die sie hat, doch zur Geltung kommen lässt - andererseits ist sie wirklich so dünn, dass ein Europäer ihr die Hungersnot sofort abkaufen würde. In schwarzen Klamotten und in Europa muss sie wohl eher mit dem Vorurteil kämpfen, sie sei magersüchtig.
Mit den Blicken, die man wegen ihrer Erscheinung - schwarze Klamotten aus Samt, Tüll, transparentem Stoff und Netz, Goldschmuck, gelegentlich auch auffällige Schminke in Schwarz und Gold, goldener Schmuck in Nasenpiercing und Ohrringen - zuwirft, geht sie selbstbewusst, eigentlich schon arrogant um, in der festen Auffassung, niemand könne ihr etwas antun.
"Du guckst ja immer noch! Wenn Du magst, kannst Du mich ja zu Subway einladen."
Sie lächelt ein charmant-kokett gewinnendes Lächeln und hakt sich unter, wenn nicht zu viel Gegenwehr kommt. Ihre Stimme ist trotz ihrer schlanken, kleinen Gestalt recht dunkel, und der arabische oder persische Akzent ist unverkennbar. Die tiefschwarzen, leicht welligen Haare scheint sie nicht im eigentlichen Sinne zu bändigen, aber zumindest zu ordnen - über den Ohren scheint sie aber immer zu versagen, dort stehen immer ein paar Strähnen ein bisschen wild ab und bilden kleine Spitzen darüber.
"Ich bin Samira ... eigentlich bin ich zum Studium hergekommen, aber fast alles, was ich hier tun darf und gerne tu, würden sie mir zu Hause in Assuan wieder verbieten ... "
... und dann beginnt sie, freundlich, höflich, charmant ... und unglaublich neugierig einen auszufragen, und nebenbei kann sie auch noch Essen, dass man nicht fasst, wieso sie so halb verhungert aussieht. Zumindest, wenn man sie länger kennt, ist es unfassbar, wie sie ihre Figur hält, zumal sie augenscheinlich auch nichts Krankhaftes dahingehend unternimmt.
Gelegentlich sieht man sie in der Begleitung einer recht großen, kräftig und stark aussehenden Katze, die schon fast den Eindruck erweckt, größer zu sein als eine normale Hauskatze - das Fell des Tieres ist total schwarz. Samira wohnt zur Miete bei einer älteren Dame in einem großen, recht anonymen Wohnblock, die ziemlich große Eigentumswohnung hat die alte, zerbrechlich wirkende Vermieterin in drei Teile geteilt - zwei kleine Wohnungen mit gemeinsamem Bad und eben den größeren Teil. Eine andere Studentin auch aus einem orientalischen Land teilt die WG mit Samira, und die beiden gehen auch oft für die ältere Dame einkaufen oder bringen deren Katzen zum Tierarzt.
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"Pulchra enim sunt ubera quae paululum supereminent et tument modice, nec fluitantia licenter, sed leniter restricta, repressa sed non depressa." - Ubertin von Casale, Spirituale und Mystiker (fiktiv)
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